…das Kraut, das dem Pilsener seinen Namen gab?

(Hyoscyamus niger)
Das Schwarze Bilsenkraut ist die häufigste europäische Art der Bilsenkräuter und wächst häufig auf Schuttplätzen. Es wird vermutet, dass es sich durch das fahrende Volk in Mitteleuropa verbreitete, da sie das Bilsenkraut reichlich für ihre Zauberkünste verwendeten. Das Bilsenkraut gehört, wie auch die Alraune und die Tollkirsche zu den berühmtesten Hexenpflanzen und ist somit ebenfalls als Zauber- und Giftpflanze in die Geschichte eingegangen.
Das Kraut besitzt viele Namen. Der Ethnobotaniker Heinrich Marzell hat allein im deutschsprachigen Raum 200 Benennungen für das Bilsenkraut zusammengetragen: es wurde zum Beispiel Pilsnerkraut, Schlafkraut, Wilder Tabak, Teufelsauge, Hühnergift oder auch Zahnwehkraut genannt. Die alten Namen zeigen uns heute, wofür das Kraut früher stand. Es existiert die Annahme, dass Pilsn(er) Bier eigentlich den Ursprung im Bilsen(kraut)bier hat. Die Frauen der alten Germanen brauten nämlich oft Kräuterbiere. Das Bilsenkraut war mitunter eine Zutat und sollte die Krieger mutig und schmerzunempfindlich machen.
Mit dem Bilsenkraut wurden aber auch häufig Giftmorde verübt, was ihm den Namen „Altsitzerkraut“ einbrachte. Auch gegen Mäusefraß wurde es verwendet: es wurde an alle Türen gesteckt und in den Ecken des Hauses bzw. Stalls ausgelegt.Die Signatur der Backenzahn-ähnlichen Samenstände zeigt auf, dass das Bilsenkraut eine betäubende Eigenschaft hat und früher deshalb Bestandteil im „Schlafschwamm“ war, der bei Zahnbehandlungen häufig verwendet wurde.
Das Bilsenkraut war auch beliebt im Liebeszauber, schließlich soll es anziehend auf das andere Geschlecht sein. In einem kleinen roten Leinensäckchen eingepackt, wurde es bei sich getragen.
Doch auch für andere Zaubereien wurde es genutzt. Um sich Wünsche zu erfüllen oder Vorhaben unter einen guten Stern zu stellen, wurde das Bilsenkraut bei Sonnenuntergang ausgegraben, mit Salz bestreut und die Wünsche als Beschwörung formuliert und ausgesprochen.
Wer kennt ihn nicht, den alten Kinderreim „Ilse Bilse, keiner will´se und dann kam der Koch und nahm sie doch“. Für mich ist klar: der Koch war der Einzige, der das Potential von Ilse erkannt hat. Er hatte keine Angst vor ihrem (Gift)kräuterwissen, sondern schätzte wahrscheinlich auch ihr Wissen um die Zauberkräfte unserer heimischen Pflanzenwelt 😊
Und nicht vergessen, Giftpflanzen sind auch oft Heilpflanzen. https://de.wikipedia.org/wiki/Schwarzes_Bilsenkraut
Herzlichst
Ellen Klauke Ph.D.
Danke an Annegret Steffi Metting vom Team der PHYLAK SACHSEN® GmbH